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2007 Micha Bartsch anlässlich der Ausstellung in der Galerie Raum 5



Werte Besucher der Ausstellung von „Uta Jeran Neue Bilder- Malerei!

Wenn ich einige Worte zu Uta Jerans Ausstellung in der Galerie „raum 5“ und den hier präsentierten Arbeiten sage, so geschieht das aus einer Position des Freundes und Kollegen, der mit ihrem künstlerischen Werdegang über viele Jahre vertraut ist.
Das erste Kennenlernen fand vor rund dreizehn Jahren während des Studiums an der Kunsthochschule Berlin Weißensee auf einer Studienreise der Malereistudenten statt. Reiseziele waren eine Max Beckmann Ausstellung in Stuttgart, dann weiter über Straßburg nach Colmar zur letzten Station, den „Isenheimer Altar“ von Matthias Grünwald. Ein Seherlebnis von dem man lange beeindruckt bleibt und das einen Maler lange begleitet.
Anfangs war unser Kontakt in den Räumen des Monbijouparks , wo der Fachbereich Malerei sein zu Hause hat, noch spärlich, obwohl wir beide den gleichen Professor, Dieter Goltzsche, gewählt hatten. Unsere gemeinsame künstlerische Haltung machte aber ein Aufeinander zugehen leicht und oft kam es zu kleinen Treffen in den dortigen Atelierräumen. Für mich waren das wichtige und nützliche Stunden, die mir einen Einblick in die malerische Arbeitsweise und auch Themenwelt meiner damaligen Kommilitonen eröffnete.
So ergab sich für mich auch die Möglichkeit einer Annäherung an Uta Jerans Malerei, an ihre bildnerische Farb- und Formsprache, sowie ihre Themenwelt. Damals wie heute sind vor allem das Figurative, das Stillleben, die Landschaft oder intensive Erlebnisse in ihrem Leben der Ausgangspunkt ihres bildnerischen Schaffens.
Die Bildwelt von Uta Jeran, ihre Farben, Formen und Themen, mit denen sie sich künstlerisch auseinandersetzt, erscheinen mir sozusagen deckungsgleich mit ihrer Person zu sein. Man könnte hier wohl auch von einem gefundenen Stil sprechen, was wohl stimmt und eben wieder nicht.
Das großzügige Behandeln von Farbe und Form, die spielerische Freiheit ihrer Bildgestaltung ist für mich bezeichnend für ihre Malweise. Es entsteht der Eindruck der Entschlossenheit des Farbauftrages, einer malerischen Souveränität, die ganz selbstverständlich erscheint. Aber der Eindruck, der in mir oft entstand, das Bild sei in einem Zug oder in wenigen Stunden entstanden, trügt. Bei meinem letzten Besuch in ihrem Atelier sagte Uta, das viele Bilder im folgenden Malprozess immer wieder überarbeitet werden und der malerische Ausdruck hinterfragt wird. Im Vordergrund steht das Ringen um die bestmögliche Bildlösung. Uta Jeran organisiert die Farbe solange, bis sie ihrer Gefühlsintensität entspricht. Die Verwendung dekorativer Elemente, so sagte sie mir im Atelier, ist für ihre Malerei ein wichtiges stilistisches Gestaltungsmittel. Aus meiner Sicht entwickelt sie dekorative Bildelemente, um den Bildraum zu klären, ich empfinde diese aber auch als einen leidenschaftlichen Impuls in malerischer Form.
Der Bezug zur Natur, zum Erlebnis, egal ob aus der Zeit ihrer Kindheit und Jugend in Greifswald, in der Nähe zum Meer, oder später hier in Berlin, spiegelt sich in ihrer Bildsuche wieder. Ich vermute, es ist die Suche nach etwas Reinem und Klaren im übergeordneten Sinne. Vielleicht als Antwort für das Leben in der Großstadt und als Sehnsucht nach der Kindheit im Allgemeinen. Ihre Farb- Form- und Themenwahl versuchen dieser Suche, diesem Gefühl Ausdruck zugeben. Die Titelwahl und malerische Ausführung, wie zum Beispiel in einem früheren Bild „Meerfrau“, stehen für mich exemplarisch für Utas Schaffen. Die dargestellte Nixe, halb Mensch halb Fisch, ihre Sehnsucht nach perfekter Bewegung in zwei Sphären, im Meer und auf der Erde, dieses „fabelhafte“ Doppelwesen steht für mich für die Künstlerin Uta Jeran. Der Spagat, den die Nixe probiert, und das ist eine Vermutung von mir, wird bewusst als Spagat der eigenen Lebenssituation empfunden, der Wunsch, sich ganz in den beiden Lebenswelten, denen der Kunst und des Alltags, zurecht zu finden, aus denen die Malerin ihre Bildwelten schöpft. Bei meinem Besuch im Atelier zeigte mir Uta auch einige neue Arbeiten, mit dem Thema „Märchen und Mythen“, die zum Teil hier zu sehen sind. Diese Arbeiten deuten einen neuen Weg in ihrem Schaffen an.
Es sind Papierarbeiten, die geschnitten und teilweise collagiert wurden. Die Anregung für diese Blätter erhielt Uta nach eigener Aussage aus dem großen und verführerischen Angebot der Pop-up Kinderbücher, die in den Bücherläden immer mehr Raum einnehmen. Das hat seinen guten Grund, wirken doch viele dieser Bücher in ihrer Gestalt sehr auf die Phantasie, ist ihre Gestaltung in den klaren Formen und zum Teil sehr reinen Farben höchst anregend. Hinzu kommt vielleicht auch unterbewusst der Wunsch, der alle Künstler bewegt, das Leben mit den Augen eines Kindes zu betrachten, um dann künstlerisch- schöpferisch und produktiv zu sein.
Die Entscheidung mit der Schere die Linie zu schneiden bedeutet für den Künstler, die Papiermaterie zu disziplinieren, zu beleben und in ihrer Wirkung zu steigern. Das heißt auch, dass die Schere mehr Gefühl für die Linie entwickeln kann als ein Zeichenmittel wie zum Beispiel der Bleistift oder die Kohle. Durch den Schnitt mit der Schere entsteht auch tatsächlicher Raum, das geschnittene Blatt wird zum Relief. Uta verzichtet bei ihren Arbeiten ganz auf das Mittel der Farbe, da sie, so sagte sie mir, so monochrom wie möglich bleiben will, nur der Schnitt der Schere und der darauf folgende Schatten auf dem Papier sollen als Farbwerte gelten. Das erscheint mir logisch, da schon die entstandenen Linien und Volumen bewältigt sein wollen, und Farbe würde diese Schwierigkeit nicht erleichtern.
Maler wie Henri Matisse haben diese Pfade schon betreten und Neuland erkundet auf dem wir uns jetzt bewegen können. Mir geht es da so wie vermutlich auch Uta, man fühlt sich wohl in solcher Gefolgschaft, aber es verpflichtet auch. Man muss sozusagen weitermachen, da, wo andere angedacht haben oder noch gar nicht waren, die eigene schöpferische Kraft bilden und entwickeln. Das bedeutet, und hier möchte ich Matisse einmal zitieren: „ Der Gegenstand muss mächtig auf die Phantasie einwirken, das Gefühl des Künstlers, das sich durch ihn ausdrückt, muss den Gegenstand interessant machen: er sagt nur aus, was man ihn sagen heißt.“
Die Ausstellung in der Galerie „raum5“ zeigt in eindrucksvoller Weise den Gegenstand, der uns von Uta sagen heißt und ich bin gespannt, wie Uta ihren gefundenen Pfad weitergeht. Der Ausstellung wünsche ich die gebührende Aufmerksamkeit und Erfolg. Vielen Dank

Michael Bartsch 02.März 2007


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