Banner



"Leichtigkeit"


Rede zur Eröffnung der Ausstellung "federleicht und erdenschwer" von Uta Jeran in der Remise ‚degewo' Berlin, Pankow Uta Jeran hat sich eine philosophische Rede zu ihrer Ausstellung gewünscht. In einem fröhlichen Moment geistiger Umnachtung habe ich ihr diese zugesagt und im Folgenden werde ich nun darlegen müssen, daß die gewünschte Rede, bevor sie eine philosophische wird, sich erst mal durch jede Menge Wildnis arbeiten muß, da keiner der großen Philosophen unserer Tage, nicht die Franzosen, nicht die Amerikaner, nicht die Engländer, und die Deutschen sowieso nicht, skandalöserweise das thematisiert haben, was einzig Thema dieser Rede sein kann, was nicht minder ein - wenn nicht das! Thema unserer Gegenwart ist und im Eigentlichen auch als Thema über dieser Ausstellung steht, nämlich die Leichtigkeit, jenes Federleichte, das meistens licht und blau in Uta Jerans Bildern einzieht, wenn ich an die wunderbare Ausstellung denke, die sie 2009 bei uns im Kunstpavillon Heringsdorf zeigte und die sich hier mit starken Farben zusammentut, die, bei aller Leichtigkeit, für Wucht und Schwere sorgen. Sie arbeitet da an etwas Großem. Wie groß, das herauszufinden, wird nun die Aufgabe dieser Rede sein, wobei wir leider auf die geschätzte Zuarbeit der Philosophen verzichten müssen. Entweder haben diese geschlafen oder sie waren überfordert. Ich schätze mal, sie waren überfordert und das hat einen guten Grund.
Aber zunächst - worüber reden wir? Was ist Leichtigkeit? Jedermann geläufig und keinem Denkenden deutlich, ist sie in unseren Tagen ein Wert geworden, das bedeutet etwas Unsterbliches, etwas, was tief in die Brust der Menschen sinkt und von Generation zu Generation weitergetragen wird. Sollte es so sein, daß sich jede Epoche in das Gedächtnis der Menschheit hineinstempelt in Form eines Wertes, als dem ihr eigensten und unverwechselbaren Logo, dann ist die Leichtigkeit der Code unserer Tage, und gleichzeitig eben unser Wert, unser Goldklumpen, unser blau schimmernder Riesen-Diamant, nach dem die Menschen suchten, im Dreck und im Schlamm, seit Ewigkeit unsägliche Mühsal auf sich nehmend und den wir, nun, da wir ihn gefunden haben, unversehrt weiterzureichen haben an unsere Nachfahren auf dem ganzen Erdball.

Gewiß - als Eigenschaft von irgendwas taucht die Leichtigkeit in den philosophischen Debatten hin und wieder auf, verblüffend selten, aber immerhin z.B. in dem schönen Satz von Sören Kierkegaard "Unter dem Himmel der Ästhetik ist alles so leicht (so leicht!), so schön, so flüchtig; kommt die Ethik angeschritten, so wird alles hart, kalt und unendlich langweilig." (Philosophische Schriften ) Es ist ein Satz voll geballter Klugheit. Er steckt das Leichte zur Ästhetik und zum Schönen. Er erklärt die Leichtigkeit damit zu einer Sache der Sinne und dann assoziiert er auch noch den Himmel, Uta Jerans zauberische Bläue. Damit hat er vielleicht schon den Grund benannt, warum, abgesehen von ein paar zeitgenössischen Vagabunden, kein wirklich ernstzunehmender Denker, meiner Wahrnehmung nach , sich des Themas bemächtigt hat. Die Philosophie, - ja,- letzten Endes alle aufgeklärte Rationalität, muß durch die Grundschule der alten Griechen durch und die Griechen sind die, die das Denken geordnet haben. Man glaubt es kaum -, sie sind die mit der Ordnung, dem Gesetz und der Geometrie. Könnte es sein, daß die Leichtigkeit sich irgendwie ungeometrisch verhält, irgendwie schräge, eben daneben für jeden wohlerzogenen Philosophen, so daß er schnell wegguckt, weil er blitzschnell erkennt, da ist was, was ich nicht fassen kann. In der Tat, die Leichtigkeit wäre nicht Leichtigkeit, wäre sie zu fassen, wäre sie, wie man zu sagen pflegt, feststellbar. Sie ist zweifellos vorhanden, richtig irdisch materiell und wahrnehmbar, sie macht uns alle lächeln, aber wenn man sie greifen will, flüchtet sie, wie es Kierkegaard gleich bemerkt hat. Und dann denkt man vielleicht als Philosoph, ach, laß sie doch! Sie ist so leicht , die Leichtigkeit und was nicht von Gewicht ist, ist das wichtig? wohl doch eher nichtig, jedenfalls nicht eine von den Säulen, auf denen die Welt ruht. Wenn er da mal nicht irrt.
Milan Kundera landete 1982 einen Welterfolg mit einem Buch, das, als Literatur genommen, aus meiner Sicht kein ganz großer Wurf ist, aber einen Titel trägt, der noch heute wie eine Formel des Zeitgefühls anmutet "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" . Man griff wie unter Hypnose zu diesem Buch und seiner seltsamen Geschichte mit der seltsam verwischten Nietzsche-Philosophie. In diesem Moment fiel es einem wie Schuppen von den Augen: die Leichtigkeit ist ein Wert geworden, ein hohes Gut und es handelt sich womöglich um den subversivsten Wert, den die Menschheit je hatte. 1000e von Jahren tasteten sich Menschen wie Blinde durch das Dickicht der Zeit. Sie suchten nach was. Sie suchen immer nach was und wissen nicht richtig was. Sie zünden dafür Revolutionen an, Kriege, Eroberungen. Noch immer fließen Hektoliter von menschlichem Blut die Böschungen der Geschichte hinab. Lange Zeit glauben die Menschen, sie suchen nach Glück, oder Gerechtigkeit - aber vielleicht ist es gar nicht das Glück oder die Gerechtigkeit, nach der sie suchen? Vielleicht sind Gerechtigkeit und Glück stets Teil eines Größeren. In der DDR gab es verhältnismäßig viel Gerechtigkeit. Fast jeder kriegte keine Wasserhähne, keine Auto, kein Telefon, kein Westbuch, keine Beatle-Platte, keine Westreise. Das war doch sehr gerecht. Aber war es schön? War es das, was wir wollten? Schön war es am FKK und in den unglaublichen Datschen, die wir irgendwie zusammenfriemelten und schön war es an den Abenden mit den vielen Freunden beim grausamen Kadarka und den unerschöpflichen Zigarettenpackungen, Marke Juwel oder F6. Vielleicht geht es darum, ein Lebensgefühl wiederzufinden, das die Menschen als gemeinsame Urerinnerung in ihren Herzen tragen. Die Erinnerung an das Hier und Jetzt, in dem sie einst gelebt hatten, als sie noch sorglos über die Welt streiften, kostenlos wohlgenährt und bestens gerüstet durch Mutter Natur, spielerisch und unsäglich frei. Ist es das, wonach die Utopien der Völker tasten?
Erinnerungen an eine glückliche Urzeit gibt es auf allen Erdteilen in fast allen Völkern, in den Hochkulturen, wie in den Gesellschaften mit aneignender Wirtschaftsweise. Es ist eine Geschichte, die uns wie keine zweite mit Menschen aller Art verbindet. Fast möchte ich sagen: es ist der einzige Faden, der uns verbindet bzw. der einzige Grund, der uns berechtigt, von so etwas wie Menschheit zu sprechen. Verbirgt sich nun hinter den biblischen Ideen von der Heilsgeschichte und der Erlösung ebenfalls die Erinnerung an den schönen Urmenschen, eine Erinnerung, die das keineswegs sehr machtvolle Häuflein von listigen Händlern und staubigen Viehhirten und tapferen Propheten in der Bibel den sie umringenden glanzvollen Hochkulturen entgegenhielt, den göttlichen Ägyptern, den machtvollen Babyloniern, den neureichen Hethitern und den weitgereisten Phöniziern? "Siehe das Zelt (Laubhütte) Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein." So lautet die große Utopie des Autors der Johannes-Apokalypse. Der Apokalyptiker genießt keinen besonders guten Ruf bei den Theologen. Martin Luther hat sich nicht entschließen können, dieses sein Buch aus der Bibel zu streichen, aber er hat es an den Schluß des biblischen Kanons gestellt, und sich darüber beklagt, er könne den Geist Gottes darin nicht finden. Ja, der Johannes von Pathmos überzieht. Es ist die Zeit der schlimmsten Christenverfolgung. Er redet sich in Haß und dunkle aggressive Raserei. Aber in diesem eben zitierten Satz erreicht seine gequälte Seele eine unerwartete Schönheit und Klarheit und er formuliert eine große Idee. Gott in einer Laubhütte oder in einem Zelt bei den Menschen! Der Allmächtige wohnhaft in der denkbar leichtesten und flüchtigsten Architektur hinieden auf Erden inmitten einer steinernen Menschenstadt mit all ihren eingefahrene Wegen und Abläufen. Äußerste Leichtigkeit inmitten allergrößter Schwere. Eine wahnwitzige Vorstellung!
Kundera wittert ebenfalls diese Nähe, diese Verwandtschaft zwischen seiner (unerträglichen) Leichtigkeit und den glückseligen Paradieserinnerungen der Menschheit.
Er sagt "Der Vergleich zwischen Karenin und Adam bringt mich auf den Gedanken, daß der Mensch im Paradies noch nicht Mensch war. Genauer gesagt: der Mensch war noch nicht auf die Bahn des Menschseins geschleudert. Wir aber sind längst darauf geschleudert worden und fliegen durch die Leere der Zeit, die auf einer Geraden abläuft. Doch existiert in uns immer noch eine dünne Schnur, die uns mit dem fernen, nebelhaften Paradies verbindet, wo Adam sich über die Quelle neigt und, im Gegensatz zu Narziß, nicht ahnt, daß dieser blaßgelbe Fleck, der im Wasser auftaucht, er selber ist. Die Sehnsucht nach dem Paradies ist das Verlangen der Menschen, nicht Mensch zu sein."
Kunderas gewaltiges Liebespaar stirbt.
Nein, so schön die Passage ist und so richtig ich sie erst mal finde, beim Schlußsatz muß ich widersprechen. Nein, wir wollen Menschen sein. Wir wollen denken, wir wollen erkennen, es bereitet uns Genuß, zu suchen und zu finden, zu bauen und zu wollen und eine verrückte Welt von Stückwerk um uns aufzubauen. Wir wollen die Kultur, auch wenn uns ihre Auswüchse, all die ungeheuerlichen Praktiken, von der Kopfjagd bis zum Lilienfuß, vom Menschenopfer bis zur Kinderarbeit, von der Massentierhaltung bis zum vergifteten Flußufer, aufs tiefste entsetzt und beschämt und in Zweifel stürzt. Aber wir wollen nichtsdestotrotz die Kunst, die Technik , die Wissenschaft, und wir wollen offenbar auch die Gemeinschaft mit den Menschen, die Feste, die Pflichten und Vergnügen, die Lügen und die Gesetze, die diese Gemeinschaft regeln. Aber gleichzeitig wollen wir die Nabelschnur mit unseren ersten menschlichen Ahnen, wollen wir die Leichtigkeit aus der Urzeit nicht verlieren. Vielleicht nicht nur, weil sie schön ist, sondern auch, weil nichts schön ist ohne sie. Nichts ist schön ohne Leichtigkeit und Freiheit, nicht mal die Gerechtigkeit, wie ich vorhin zusagen versuchte. Das hat mich die DDR gelehrt. Und darum ist die Vorstellung von dem Gott, der in einem Zelt vor dem Brandenburger Tor haust, keine Verrücktheit, kein Hirngespinst, es ist vielmehr eine zwingende Notwendigkeit, weil man ohne sie das Menschenspiel nicht gut hinkriegt. Nochmal: Ohne eine gewisse göttliche Leichtigkeit, diese wunderbare hochschöpferische Absichtslosigkeit, oder - mit Heiner Müller - ohne eine strenge Verantwortungslosigkeit ist nichts gut.
Die Demokratie ist viel mehr als nur eine Epoche unter vielen Menschheitsepochen. Da ist etwas gelungen, wonach wir, behaupte ich, seit dem Sündenfall die ganze Zeit gesucht haben, ohne es benennen zu können.
Und doch lag es immer in der Luft, in Uta Jerans leichtem Strich und Bläue. Unsere Gegenwart begann damit, daß sie sich als tönende Wolke über den Baumwollfeldern von Alabama und Missisipi erhob und um die ganze Welt geflogen kam. Sie hieß Blues oder Swing und war die erste Leichtigkeit, die das alte Europa streichelte nach einer langen langen langen Zeit der Disziplinierung, die erfolgte, nachdem ihm seine zauberschönen griechischen Kinderschuhe zu klein geworden waren. Die Leichtigkeit, die da über den Atlantik geflogen kam, verwirrte und erschreckte Europa. Es trug damals hautenge Paradeuniformen mit Stehkragen und goldenen Schnüren und die Damen Korsett und Tornüre und die Paradeuniform wechselte am Teetisch mit dem Korsett gedrechselte Artigkeiten. Man war sittsam und gebildet und gleichzeitig sehr lieb und sehr böse, sehr rational, sehr kalt und sehr empfindsam. Die Leichtigkeit hat das Schlimme nicht verhindern können, aber sie hat es besiegt. Mit Amerikas Swing und Jazz, mit Huckleberry Finn, oder mit einem Autor der nicht nur eine äußerst leichte präzise Sprache pflegte, sondern auch seinen besten Figuren eine traumwandlerisch sichere und elektrisierend einfache Leichtigkeit gab. Sie waren, unbekümmert, fraglos, selbstverständlich, eben aus der Neuen Welt. Ich meine Hemingways Mädchen mit den Blue Jeans und den Leinenschuhen und den weißen Blusen. Es ist komisch, daß die Hemingway-Mädchen in Hollywood keine Rolle spielten . Rita Heyworth, Marilyn Monroe, Liz Taylor, Sophia Loren, Anna Magnani, Ingrid Bergmann, die Bond-Girls, auch nicht Audrey Hapburn (zu elegant, zu kapriziös) und auch nicht die große Masina, noch die großen Stars der Gegenwart haben dieses lässig Leichte. Der einzige, dem da vielleicht was gelungen ist, ( trotz des überarbeitungsbedürftigen sinnfälligen Schlusses), war Jürgen Böttcher Strawalde mit seinem bereits in der Rohfassung verbotenen Spielfilm Jahrgang 45 mit einem großartigen Rolf Römer und einer Leichtigkeit in den Dialogen, im Spiel, in der Kamera, die seinesgleichen sucht.( Weil ich ihn morgen besuche, telefonierte ich mit ihm und er sagte, es gebe in Amerika eine DVD dieses Film, und da hätten sie drauf geschrieben, der Film hat den Ton und die Energie des frühen Goddard - ja, und noch viel mehr, habe ich dann ergänzt. Aber zu seiner Entstehungszeit durfte das Publikum den Film nicht sehen. Dennoch war in uns allen auf rätselhafte Weise etwas von dieser Leichtigkeit und hat uns geprägt . Als Christa Cremer vor 2 Jahren starb, fand man in ihrem Kleiderschrank, ich glaube, 60 weiße Blusen. Sie war dieses schlanke leichtfüßige braungebrannte Hemingway-M ädchen und sie war bereits in ihrer Jugend eine Ikone. Die Mehrzahl der Künstler der Moderne haben sich mit der Leichtigkeit verbandelt und mit ihr auf verschiedenste Weise gearbeitet, von den Impressionisten, über Picasso bis zu Penck und Strawalde. Doch ich weiß keinen, der sie so direkt thematisiert hat wie die Uta Jeran, die ihre Sujets nicht nur ins schöne Licht der Leichtigkeit hüllt , sondern die Leichtigkeit selbst in paradox radikal-leichter Art auftreten läßt, als wüßte sie bereits, was wir erst mal nur in unseren Herzen hatten, daß sie, die wundersame flüchtige Leichtigkeit, das hohe Gut, der blaue Goldklumpen, daß die Leichtigkeit das Zeichen unserer Zeit ist und zweifellos eine von den erhabenen Säulen, auf welchen die Welt ruht.
Wozu war sie noch mal gut? Um dem schweren Menschsein zu entkommen? Nein, überhaupt nicht! Um das Menschsein schön zu machen? Ja! Um die Schwere des Menschseins zu verbrüdern mit der Leichtigkeit unserer Herkunft, um die Hitze auf unseren gequälten Stirnen wegfächeln zu lassen von dem berühmten spielenden Kind, das nach Heraklit das Universum ist? Ja, irgendwie so.. Wir haben also die ganze Zeit, während wir auf Utas Bilder blickten, über eine Utopie geredet, die jedoch kein Unort ist, aber ein flüchtiger Ort, ein Zelt, eine Zeltopie, die ihre Revolutionen leise macht, die kommt, wie der Dieb in der Nacht, und keine Helden braucht und keine Diktatoren und keine Gulags und keine Folterkeller und keine Stasis und doch die ganze Welt um- und umwerfen kann.
Ich sagte anfangs, Uta Jeran ist da an etwas Großem dran. Ja, sie tut das, was man tun soll, wenn man Künstler ist, sie formuliert Zeitgeist. Sie bringt ihn zur Form und zu Bewußtsein und das ist wie ein zur Welt bringen. Und es ist wichtig, daß sie dem Federleichten in der letzten Zeit vermehrt die Erdenschwere beigesellt aus 2 Gründen. Den ersten kann uns Schiller sagen, der in seinem 16. Brief "Über die ästhetische Erziehung des Menschengeschlechts" über die "schmelzende Schönheit" - (ich nehme an, er meint damit so ungefähr die Leichtigkeit, aber er findet das Wort nicht oder fürchtet es, weil es allzuschnell trivialisiert und banalisiert werden kann) - also er schreibt über "die schmelzende Schönheit" , sie bedürfe der Gegenüberstellung der energischen Schönheit, denn diese ist es, die "die zivilisierten Klassen" vor ihrem Sittenverfall, der sinkenden Kraft des "Formtriebes" bewahren kann . Beide Schönheiten müssen wechselseitig wirken, denn, ‚wenn die schmelzende Schönheit überwiegt, drohen Weichlichkeit und Entnervung', (und Beliebigkeit, füge ich hinzu), über wiegt aber die energische, dann drohen Wildheit und Härte. Das ist der eine Grund, warum ich Uta Jeran gratulieren möchte zu diesem starken Zusammenspiel von Leichtem und Schwerem hier vor unseren Augen. Du hast einen Volltreffer gelandet, liebe Uta. Ich sehe aber noch einen zweiten Grund für die Paarung dessen, das Du Federleicht und Erdenschwer nennst.. Ich habe ihn bereits benannt , aber ich möchte ihn noch einmal widerholen, damit er sich nach Möglichkeit in der Erinnerung festhakt - auch wenn sich die Leichtigkeit niemals abnützen ließe, so ginge es dennoch nicht darum, die Welt leicht leichter und nochmals leichter zu machen, bis zuletzt das Nichts kommt, wie es der große Buddha als einzige Lösung des menschlichen Problems sah, oder Mohammed mit dem glückseligen Jenseitsen in Allahs Antiwelt. .Es kann nicht darum gehen, die Welt zu verwerfen. Es geht darum, sie nicht loszulassen und sie aus ihren vielen Sackgassen und Verkrampfungen zu lösen, ihr die traumwandlerische Sicherheit der Leichtigkeit zu schenken, mit der sie angetreten war und diese Leichtigkeit, die Flüchtige ,die Lebendige, immer wieder neu zu suchen und zu umwerben, auf daß sie ihr Zelt baue unter uns erdenschweren Menschen und, wenn möglich, eine Weile bei uns bleibt.
So, wie Du, Uta, hier Schweres und Leichtes zusammen führst, so hoffe ich, gelingt es uns im täglichen Tichten und Trachten, die lebendige Leichtigkeit mit unserem Menschsein zu verbandeln, damit wir Menschen bleiben können.
Ich danke Dir, liebe Uta, daß ich vor der tollen Kulisse Deiner Bilder sprechen durfte und ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

© Ricarda Horn 13.11.12


««« zurück zu "Texte"