Banner



"Farbräume und Sinnesfelder"


Sandiges Ocker weht über den Boden, blühendes Gelb leuchtet, im Wind schwingt ein trockenes Grün. Weiches Blau plätschert, leichtes Weiß schmilzt dahin, in der Ferne schwebt Hellblau. Es raschelt und rauscht, das Licht flirrt - man spürt Wärme, die Weite und die Dehnung des Moments.

Es scheint das Wesen von Sprache und Kunst im Allgemeinen und der Bilder der Künstlerin Uta Jeran im Besonderen zu sein, zwischen der Welt und unserer Wahrnehmung zu vermitteln, beides aufeinander zu beziehen und ineinander zu verschmelzen. Die Malerin Uta Jeran arbeitet häufig "plein-air", malt in der Landschaft. "In" der Landschaft, weil sie die Landschaftsmalerei nicht als vordergründiges Abbilden und Darstellen interessiert, sondern in ihr wie auch im Bild umherwandert, den Blick schweifen lässt und mit dem Pinsel erkundet. Mit schwungvollem Duktus und zeichnenden Bewegungen nähert sie sich an, schichtet Farbflächen, abstrahiert dabei auf Wesentliches. Das Bild ist Abbild eines erlebten Bildes - erlebt im Prozess des Gestaltens mit malerischen Mitteln und des Abgleichens mit dem Sichtbaren. Im Fokus dieses künstlerischen Erlebens steht dabei für die Malerin immer die Auseinandersetzung mit der Komposition von Form und Farbe. Aus einem Blick, aus einem Zuwenden, aus einer Situation entsteht ein Bild, das Farbräume und Sinnesfelder eröffnet.
Dabei wandelt Uta Jeran künstlerisch und geografisch auf den Pfaden bedeutender Vorgänger, wenn sie malerisch den Mont St. Victoire beschreitet und ihn zum Motiv wählt, und so auf Paul Cezanne als einen der Wegbereiter der modernen Malerei Bezug nimmt.
Jerans malerische Sujets sind breit gefächert - neben den schon erwähnten Landschaftsbildern bearbeitet die Künstlerin Interieurs und Stilleben, Figuren und Akte, Stadtausschnitte und Momentaufnahmen. In ihren grafischen Arbeiten greift sie einzelne Motive auf, erweitert ihre Bildgeschichten mit Bezügen zu Erzählungen oder Märchenhaftem. Warum diese Vielfalt? Es ist sicher einerseits die künstlerische Neugier und Suche, mithin die künstlerische Freiheit, sich auf unterschiedliche Gegenstände und neue Themen einzulassen und diese zu bearbeiten. Es scheint aber auch andererseits die Möglichkeit und insbesondere die Lust zu sein, sich die Welt mit der eigenen visuellen Sprache anzuschauen, zu erkunden somit zu eigen zu machen.
Uta Jeran filtert in ihren Bildern vielfältige Eindrücke und verarbeitet diese in eine Komposition - in eine Zusammenstellung der Farbtöne, einen Rhythmus der gesetzten Striche, ein Spiel der Schichten und Überlagerungen. Sie formt ein Bild als eine Art Klang.
Und so schaffen die Bilder von Uta Jeran einen Moment der Schwebe - erzeugen einen Zustand von wundervoller Leichtigkeit im Oszillieren zwischen einem Motiv und der künstlerischen Bearbeitung. Es bleibt ein Wechselspiel, eine Gleichzeitigkeit von Farbwirkungen und malerischen Gesten mit Andeutungen und Erinnerungen an Landschaftliches. Hier scheint das Arkadische als traumhafte und ideale Landschaft in der Erzeugung einer inneren Vorstellung von Landschaft und ihrer wahrnehmenden Aneignung zu liegen.

Als Betrachter fühlt man zu taumeln, kann den inneren Fokus gleichzeitig scharf und unscharf stellen, sich zwischen dem Hiesigen und dem Fernen treiben lassen.

© Marcus Schramm


««« zurück zu "Texte"